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 Rhodos Epta Piges – die sieben Quellen

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astly



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BeitragThema: Rhodos Epta Piges – die sieben Quellen   Fr Aug 03, 2018 5:47 pm

Der Ort, an dem die Nymphen baden

Ich möchte Euch heute einen Ort vorstellen, der zu meiner Lieblingsstelle schlechthin auf Rhodos geworden ist: Epta Piges – die sieben Quellen. Es handelt  sich dabei nicht um eine Ortschaft im Sinne von Dorf oder Stadt, sondern um eine Waldstelle im Inneren der Insel, der wirklich wörtlich sieben Quellen entspringen. Es ist eine Stelle voller Mystik, an Schönheit kaum zu überbieten.  

1. Wie kommt man zu den Epta Piges?

Es ist nicht ganz einfach, zu den Epta Piges zu finden. In den Reiseführern ist angegeben, dass man von der Ostküstenstraße aus bei Kolymbia ins Landesinnere abbiegt – und das ist in der Tat für Auto oder Motorroller der einzige Weg, der, wenn man genau auf Hinweisschilder achtet, auch recht bequem ist.  Ist man, wie Sohn und ich es waren,  aber nicht motorisiert, stellt sich das Hinkommen allerdings schon wesentlich schwerer dar: Öffentliche Verkehrsmittel hierhin sucht man vergeblich. Das bedeutete für uns, einen längeren Fußmarsch zu unternehmen. Nun schrieben alle drei Reiseführer, die ich mit mir führte, dass man, wenn man zu Fuß unterwegs ist,  am besten mit dem Bus nach Kolymbia fährt und von dort aus denselben Weg nimmt wie Autos und Motorroller: die mit einem Wegweiser ausgeschilderte Straße ins Landesinnere entlang läuft, dann nach etwa 3 km nach links abbiegt – auch hier steht ein Wegweiser –,  um dann einen weiteren Kilometer lang dieser Straße zu folgen, bis man an einen Parkplatz kommt, von dem aus ein noch  etwa 500 m langer Bergweg direkt zu den Epta Piges führe. Ein Reiseführer beschrieb den Weg von Kolymbia aus sogar als angenehm zu laufen. Ich kann jeden Fußgänger nur davor warnen, diesen Weg zu nehmen! Warum?

Kolymbia selbst, der Ort, von dem aus die Straße zu den Epta Piges abzweigt,  liegt zwischen Rhodos-Stadt und Archangelos. Von Archangelos aus ist es mit dem Bus (80 Cent Fahrkosten) schnell erreicht, wir dachten, uns bei dieser Gelegenheit diesen Ort auch gleich mit anzusehen. Nun bietet Kolymbia nicht viel Sehenswertes. Einen Ortskern gibt es nicht, die Häuser liegen weit verstreut. Eine von Eukalyptusbäumen umsäumte Straße führt 1 km lang zum Kolymbia Beach, und diese Eukalyptus-Allee dürfte auch so ziemlich das einzige Interessante des Ortes sein. Die Straße, die nach Epta Piges führt,  geht von der Bushaltestelle aus in die entgegengesetzte Richtung. Und diese Straße ist alles andere als angenehm zu marschieren! Endlos lang scheint sich der Weg hinzuziehen, eine stark frequentierte Straße entlang, schattenlos, keine Stelle bietet sich zwischenrein zum Ausruhen an. Es geht meist bergaufwärts, Busse, PKWs und Motorroller donnern laut und stinkend an einem vorbei. Mehrere Male dachten wir, wir hätten den Abzweig nach links zu den Quellen verpasst, weil der Weg nicht zu enden schien und nichts von der im Reiseführer erwähnten schönen, kühlen, schattigen Landschaft zu sehen war. Als wir schon aufgeben wollten, kam der Abzweig, der wirklich gut ausgeschildert ist. Nun geht es, zum Glück schattiger, etwa 1 km stramm aufwärts, wiederum eine stark befahrene Straße hoch. Dieser Fußmarsch schleppte sich etwa 1 ½ Stunden äußerst strapaziös dahin. Und dann steht man auf einem Parkplatz, von dem aus mehrere Wege, fast alle ohne Hinweisschilder, auf Kletterpfaden in die Berge führen.

Bevor ich von hier aus den Weg weiter beschreibe, möchte ich noch erwähnen, dass die Rückkehr über Kolymbia noch weniger angenehm ist – der Rückmarsch ist derselbe natürlich, aber dann steht man ausgepowert an der Bushaltestelle, an der es weder Schatten noch etwas zum Sitzen gibt, wartet an dieser öden Hauptstraße auf einen Bus, der hier nur alle 1 ½ Stunden hält – und wir standen tatsächlich so lange da, weil uns eine freundliche ältere Dame ansprach, um uns extra darauf hinzuweisen, dass der Bus um eine bestimmte Zeit kommen würde, was sich als völlig falsch herausstellte. Nun, Kolymbia steht bei uns jedenfalls auf der Liste der Orte, die wir künftig vermeiden wollen, wenn wir zu Fuß unterwegs sind -.denn es gibt eine Alternative für Fußgänger, und auch nur für diese!

Stattdessen empfehle ich Fußgängern, um nach Epta Piges zu kommen,  einen in Reiseführern nicht oder nur knapp erwähnten Weg, einen Fußweg von Archangelos aus, der nicht nur schöner und idyllischer ist, sondern auch nur Fußgängern möglich. Laut einer Rhodoskarte – die, was man wissen sollte, NIE exakt sind – erstreckt sich dieser Weg über 9 km; tatsächlich brauchten  wir dafür aber zeitlich nicht länger als für den Fußmarsch von  Kolymbia aus, der ja nur 4,5 km lang sein soll. Diesen Weg erreichen wir, wenn wir vom Hotel Katerina aus (wer aus anderen Orten kommt, sollte sich also erst hierher anstatt nach Kolymbia begeben) statt nach links Richtung Archangelos-Zentrum von der Hauptstrasse nach rechts abbiegen, so dass wir landeinwärts marschieren. Diesem Schotterweg folgen wir, ohne abzubiegen, vorbei an Wiesen, einer kleinen privaten Kapelle – viele Häuser in Archangelos haben ihre eigene private Kapelle – Feldern, Gehöften, bis sich der Weg gabelt. Hier nehmen wir den halblinken Weg, lassen eine weißgetünchte Mauer rechts liegen, und folgen nun diesem Pfad. Wir kommen durch urige, ursprüngliche Landschaft, fernab jeden Trubels. Zwar gibt es auch hier wenig Schatten, aber auch kaum Steigungen, und abgesehen davon, dass meine Sandalen wegen des vielen Laufens auf Schotterwegen eh bald das Zeitliche segnen, ist es hier recht angenehm zu laufen. Von diesem Pfad weichen wir nicht mehr ab, auch nicht, wenn er zu enden scheint. Wir überqueren ein Wassergerinnsel, nehmen den selben Schotterweg wieder auf. Nach längerem Marsch zweigt ein ausgeschilderter Weg nach rechts relativ stramm abwärts  (auf dem Rückweg leider natürlich aufwärts) ab, der sich dann durch einen schattigen Wald nach unten zieht, und schon stehen wir auf bereits erwähntem Parkplatz. 1 ½ Stunden brauchten wir etwa für diesen Weg, ohne Verkehrlärm, da dieser Pfad nicht einmal von Motorrollern befahrbar ist, ein schöner Spaziergang also durch eine Landschaft, die interessant und sehenswert ist. Kein Vergleich zum Weg über Kolymbia!

Nun, kommen wir nun endlich zu den Epta Piges. Wir waren am Parkplatz angelangt. Am Parkplatz befindet sich ein seltsamer brunnenartiger enger Schacht, von dem aus in die Wände eingelassene Sprossen völlig steil in die Tiefe führen, wobei Tiefe wörtlich zu nehmen ist! Und dort unter uns in der Tiefe führt der unterirdische Weg entlang, der die 7 Quellen mit einem Stausee verbindet. Wo der Eingang zu diesem unterirdischen Weg liegt, wissen wir aber noch nicht, und hier hinunterzuklettern fiele wohl niemandem im Traum ein! Es ist allerdings erstaunlich zu erleben, wie erwachsene Menschen an dieser Stelle zu Kindsköpfen werden und irgendwelchen Unsinn zu denen hinunterrufen, die dort unten im Schacht sind. Nun, wir fragten uns durch: Wenn man rechts hochklettert, kommt man zu den Epta Piges, einer Taverne und dem Einstieg in den unterirdischen Tunnel, der Quellen und See verbindet, eben dem Schacht, den wir von hier oben sehen können; klettert man links den Berg hoch, kommt man zum See. Wir kraxeln also rechts den Weg hoch, und endlich sind wir da!

2. Die 7 Quellen und der Staussee

Zunächst sehen wir die Taverne. Rechts davon Tische und Stühle, an denen man sich ausruhen und etwas trinken oder essen kann, malerisch unter Bäumen verteilt, manche nur über kleine Stege erreichbar. Die Preise hier sind nicht teurer als sonst auf Rhodos.  Ein uralter Platanenwald, schattig und fast märchenhaft wirkend, zieht sich die Hügel entlang, kleine Bäche und Wasserfälle werden von Holzstegen überbrückt. Dazwischen verteilt die Tische der Taverne, die nicht störend oder gedrängt wirken, sondern nur gemütlich einladend und ungemein idyllisch. Pfaue, die hier auch im Wald frei herumlaufen, zeigen ihre Farbenpracht, geben aber auch ziemlich schrille Töne von sich, ein Papagei, der zur Taverne gehört und außerhalb seines Käfigs rumturnt, zieht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich, die hier herumbummeln. Es sind Touristen da, natürlich, aber es ist keinesfalls überlaufen. Rechts hinter der Taverne finden wir alle 7 Quellen. Aus den Felsen sprudeln sie, über die Steine, manche als kleine Wasserfälle. Hier ist die Stelle, wo nach der Mythologie die Nymphen am liebsten baden, man meint sie fast zu sehen. Ein unendlich schöner Ort, geradezu märchenhaft. Wir setzen uns auf die niedrigen Felsen, lassen unsere Füße in die Quellen hängen, verweilen hier ein Buch lesend oft stundenlang.

In kleinen Kaskaden ergiessen sich die Quellen in zunächst kleine Bäche. Einer dieser Bäche nun führt unter dem Berg hindurch zu einem Stausee, der wiederum in einem Wasserfall endet, der sich den Berg herunter ergiesst. – und hier, wo der Quellbach in den Berg eintritt, um seinen Weg durch den Fels zum See zu suchen, beginnt der unterirdische Weg zwischen den Quellen und dem See. Um den Verlauf des Baches herum wurde der Fels etwas herausgehauen, so dass ein Tunnel entstand, 180 m etwa lang und 1,80 hoch und so schmal, dass nur eine Person jeweils hindurchpasst.

Man klettert, um hier hindurchzugehen, zunächst in das Flussbett – natürlich muss man Schuhe ausziehen und gegebenenfalls die Hose hochkrempeln, denn man steht bis zu den Waden im Wasser – und betritt den Eingang zum Weg, der unter dem Berg hindurchführt. Nach meinen Reiseführern ist es nötig, eine Taschenlampe mit sich zu führen, weil es im Inneren des Berges stockdunkel ist, und darf keine Platzangst haben. Beides halte ich für Unfug! Wir hatten keine Taschenlampe dabei und ich neige zu Platzangst, trotzdem gab es keine Probleme. Zunächst sieht man noch den Lichtschein vom Eingang, wenn es ganz dunkel wird, kann man sich wegen der Enge des Tunnels gut an der Wand entlang tasten, in der Mitte des Tunnels fällt etwas Licht von oben, aus dem Schacht, der vom Parkplatz aus nach unten führt, ein – auch wenn wohl niemand vom Parkplatz aus hier heruntersteigt, ich habe mit Leuten gesprochen, die von hier unten aus hochgeklettert sind: es ist nicht zu empfehlen! Die in die Wand eingelassenen Sprossen führen sehr weit nach oben zum Ausstieg am Parkplatz, manche Sprossen fehlen auch! Dieser Aufgang ist wohl nur für äüßerste Notfälle gedacht. – ab der Mitte des Tunnels wird die Strömung des Baches stärker, irgendwann sieht man dann vor sich den Ausgang aufleuchten. Herrlich ist es, durch das eiskalte frische Quellwasser zu waten, diesen Tunnel entlang, der in den  See hinein mündet. Wenn wir aus dem Tunnel kommen, kann man ein paar Stufen auf der linken Seite hochspringen, um ins Trockene zu gelangen , oder man landet direkt im See, einem wundervollen, völlig grünen, von Platanen überkronten Bergstausee, der zum Schwimmen einlädt. Über den Berg kommt man dann wieder zum Parkplatz.

Will man nicht durch diesen Tunnel gehen, führt vom Parkplatz aus der linke Weg hoch zum See. Ich würde aber jedem raten, den Weg unter dem Berg hindurch zu nehmen: es ist nicht nur ein Mordsspaß, sondern auch ungemein erfrischend.

3. Meine Meinung

Wer die Idylle sucht, sollte den Weg hierher nicht scheuen. Ein unglaublicher Zauber liegt über diesem Ort, an dem man Kraft tanken kann, Energie schöpfen. Alles ist hier in Harmonie, selbst die Taverne fügt sich urromantisch ein. Man sollte sich Zeit nehmen hier an den Epta Piges, verweilen, auch etwas herumwandern, den Ort genießen. Es ist wirklich märchenhaft hier! Man braucht Zeit, diese unglaubliche Schönheit der Landschaft auf sich wirken zu lassen.

Ich empfehle jedem, einen Badeanzug und ein Handtuch hierher mitzubringen, sich zwischen die Quellen zu setzen, im See zu schwimmen. Es ist auch ein idealer Ort für Meditation, das Erfühlen von ewiger Erneuerung, vom Zeitenfluß, aber auch von Reinigung und Klarheit. Selbst wenn andere Menschen um einen herum sind, fühlt man nur Ruhe und Frieden.

Man sollte auf jeden Fall, wenn man hier ist, auch den unterirdischen Tunnel begehen. Nach dem Durchwaten fühlt man sich unglaublich erfrischt. Und vergesst die Taschenlampe, egal was der Reiseführer sagt! Das Stück Weg durch die Dunkelheit gehört einfach dazu, und um so mehr staunt man, wenn man durch das einfallende Licht am Ende des Tunnels das Grün des Sees und der Bäume leuchten sieht. Ich möchte jetzt gar nicht auf der Symbolik herumreiten, die sich hier aufdrängt, es ist einfach unglaublich, man muss es selbst erlebt haben! Ein Ort, zu dem ich immer wieder zurückkehren möchte  - und ein zu großartiger Ort, um alle Gefühle zu beschreiben, die man hier durchlebt.
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